Briten präferieren Staatsausgaben-Kürzungen gegenüber höheren Steuern

Die britischen Privathaushalte bevorzugen mehrheitlich eine Reduzierung der Staatsausgaben gegenüber höheren Abgaben, um die öffentlichen Finanzen zu konsolidieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung der Deutschen Bank im Vorfeld des ersten Budgetentwurfs von Finanzminister Healey. Die Daten geben Aufschluss darüber, welche Sparmaßnahmen in der Bevölkerung mehrheitsfähig sein könnten.
Die Umfrageteilnehmer sprachen sich deutlich für Einsparungen bei der Entwicklungszusammenarbeit aus. 52 Prozent der Befragten verlangten Kürzungen in diesem Ressort. Dies widerspricht Medienberichten, wonach die Regierung die Auslandshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens aufstocken möchte.
Reduzierung des öffentlichen Dienstes und der Sozialleistungen
Neben der Entwicklungshilfe orten die Haushalte weitere Sparpotenziale. 36 Prozent der Befragten plädierten für einen schlankeren öffentlichen Dienst. 33 Prozent befürworteten geringere Sozialausgaben. Auch der Etat für Kultur, Medien und Sport steht mit 23 Prozent Zustimmung für Streichungen zur Debatte.
Trotz zunehmender weltpolitischer Spannungen betrachteten 13 Prozent der Haushalte die Verteidigungsausgaben als möglichen Kürzungsbereich. Die Umfrage offenbart damit ein breites Feld, in dem die Bürger Einsparungen für realisierbar halten.
Steueranhebungen nur nachrangig
Falls Steuererhöhungen nicht zu vermeiden sind, haben die Haushalte eindeutige Vorstellungen. Die Körperschaftsteuer erhält mit 32 Prozent die größte Zustimmung. 16 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für Änderungen bei der Kapitalertragssteuer aus. Die Unterstützung für höhere Grundsteuern lag bei 9 Prozent, während allgemeine Anhebungen der Einkommensteuer nur von 8 Prozent befürwortet wurden.
Die Bevorzugung von Unternehmens- und Vermögensabgaben deutet darauf hin, dass die Haushalte eine Mehrbelastung der breiten Bevölkerung vermeiden möchten. Die Resultate könnten die politische Diskussion um den bevorstehenden Haushalt maßgeblich prägen.
Rückhalt für regionale Dezentralisierung
Die Kernstudie der Deutschen Bank ergab zudem breite Unterstützung für die Dezentralisierungspläne von Premierminister Burnham. Ein Netto-Saldo von 21 Prozent der Befragten sprach sich für die Verlagerung weiterer Entscheidungskompetenzen von London weg aus. Besonders stark war die Zustimmung bei jüngeren Bevölkerungsgruppen mit 45 Prozent sowie in niedrigeren und höheren Einkommenssegmenten.
Konjunkturausblick der Deutschen Bank
Die Deutsche Bank sagt für die britische Wirtschaft eine Wachstumsverlangsamung auf 1,1 Prozent im Jahr 2026 voraus, nach 1,3 Prozent im Jahr 2025. Zudem wird erwartet, dass die Teuerungsrate zum Jahresende 3,3 Prozent erreicht. Das Institut geht davon aus, dass der Leitzins der Bank of England bis Ende 2026 bei 3,75 Prozent verharrt, bevor er 2027 auf 3,25 Prozent sinkt.
Die Umfrageergebnisse geben der neuen Regierung unter Premierminister Burnham und Kanzler Healey eine wichtige Richtschnur für die anstehenden budgetpolitischen Weichenstellungen. Die Bevölkerung zeigt sich bereit, Sparmaßnahmen zu tragen, erwartet jedoch eine gerechte Lastenverteilung.



