Energiefresser KI: Warum Rechenzentren für Anleger zum knappen Gut werden

Der rasante Ausbau von Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz stößt in den Vereinigten Staaten zunehmend auf Ablehnung in der Bevölkerung. Eine Erhebung von NBC News ergab, dass 69 Prozent der Befragten den Bau solcher Einrichtungen in ihrem Wohnumfeld ablehnen. Die Anlagen benötigen große Flächen, immense Strommengen und erhebliche Wasservorräte, hinzu kommen Lärmbelästigungen – ein Faktorenmix, der den politischen Handlungsdruck erhöht.
Mehrere US-Bundesstaaten erlassen bereits Baustopps oder schränken Genehmigungen ein. Was zunächst wie ein Hindernis für die Industrie erscheint, könnte sich für bestimmte Investoren als Vorteil erweisen. Denn die verschärften Auflagen für Neuprojekte verbessern die Verhandlungsposition der bereits bestehenden Rechenzentren.
Engpässe bei Genehmigungen begünstigen etablierte Betreiber
Fachleute wie Vikram Malhotra von Mizuho weisen darauf hin, dass strengere Flächennutzungspläne und Probleme bei der Energieversorgung das Angebot verknappen. Dadurch steigt der Wert der bereits vorhandenen Infrastruktur. Unternehmen, die schon über bewilligte Grundstücke und gesicherte Stromverträge verfügen, dürften aus dieser Konstellation besonderen Nutzen ziehen.
Im Blickpunkt stehen Immobilienfonds (REITs) wie Equinix, Digital Realty Trust und Iron Mountain. Analysten wie David Guarino von Green Street und Amanda Martinez von Wells Fargo sehen diese Gesellschaften im Vorteil. Ihre umfangreiche Markterfahrung und langjährigen Kontakte zu Kommunalverwaltungen verschaffen ihnen einen Vorsprung vor neuen Wettbewerbern, die sich erst durch zeitintensive Genehmigungsprozesse kämpfen müssen.
Equinix und Digital Realty: Größe als Wettbewerbsvorteil
Insbesondere Equinix und Digital Realty erhalten aufgrund ihrer Expansionsfähigkeit und ihrer umfangreichen Grundstücksportfolios positive Bewertungen. Equinix punktet zudem mit seiner räumlichen Nähe zu Metropolregionen, was mit Blick auf die wachsende KI-Inferenz – also die Nutzung trainierter KI-Modelle – eine wesentliche Rolle spielt. Diese REITs bieten Anlegern eine attraktive Mischung aus zweistelligem Gewinnwachstum und Dividendenrenditen zwischen zwei und drei Prozent.
Analystin Martinez warnt jedoch vor den Gefahren: Langwierige Genehmigungsverfahren könnten die Baukosten in die Höhe treiben und das Expansionstempo drosseln. Investoren sollten daher die gesetzlichen Entwicklungen in den einzelnen Bundesstaaten aufmerksam verfolgen.
Bloom Energy: Stromversorger für die KI-Infrastruktur
Parallel zur REIT-Branche verschiebt sich der Fokus der Kapitalanleger auch im Energiesektor. Klassische Energieaktien im S&P 500 verbuchen zwar ein starkes Jahr, doch Optionshändler zeigen sich gegenüber herkömmlichen Energieträgern zurückhaltend. Stattdessen rückt Bloom Energy in den Mittelpunkt.
Das Unternehmen, das Brennstoffzellensysteme für Rechenzentren herstellt, verzeichnete zuletzt ein außergewöhnlich hohes Optionsvolumen, das selbst bekannte Größen wie SpaceX übertrifft. Mit einem Kursplus von 1.800 Prozent in den vergangenen drei Jahren und der bevorstehenden Aufnahme in den S&P 500 am 21. September unterstreicht Bloom Energy die zunehmende Bedeutung alternativer Energiequellen für die KI-Infrastruktur.
Chancen und Gefahren für Privatanleger
Die hohe implizite Volatilität der Bloom-Energy-Aktie zeigt jedoch, dass Anleger hier auf ein deutlich spekulativeres, aber wachstumsstarkes Segment setzen. Während bei klassischen Energiefonds wie dem XLE oder dem U.S. Oil Fund (USO) eine eher abwartende oder defensive Haltung der Marktteilnehmer vorherrscht, locken alternative Energielösungen mit enormen Kurschancen – aber auch entsprechenden Risiken.
Für Anleger aus Deutschland ergibt sich ein gemischtes Bild: Während etablierte REITs wie Equinix und Digital Realty eine vergleichsweise stabile Mischung aus Wachstum und Dividende bieten, stellt Bloom Energy ein spekulativeres Investment im Bereich der KI-Infrastruktur dar. Entscheidend wird sein, wie sich die regulatorischen Vorgaben in den USA entwickeln – denn sie bestimmen maßgeblich, ob der aktuelle Boom nachhaltig ist oder ob neue Hürden das Wachstum ausbremsen.



