Nahost-Konflikt treibt Ölpreis und verunsichert die Börsen weltweit

Die angespannte geopolitische Situation im Nahen Osten hat sich weiter verschärft und versetzt die internationalen Finanzmärkte in Aufruhr. Den Ausgangspunkt der jüngsten Verwerfungen bilden militärische Konflikte zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran sowie Attacken der Huthi-Rebellen auf saudische Infrastruktur im Energie- und Wirtschaftsbereich.
Durch die Zerstörung von fünf iranischen Öltankern durch US-Streitkräfte als Vergeltung für Raketenbeschuss auf Einheiten der US-Marine wurde eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Teheran reagierte mit Angriffen auf amerikanische Ziele in Jordanien und drohte Kuwait sowie Bahrain mit Konsequenzen, falls sie die USA unterstützen. US-Außenminister Marco Rubio stellte klar, dass Washington weiterhin iranische Tanker ins Visier nehmen werde, sofern der Iran US-Kriegsschiffe angreife.
Rohölpreise legen massiv zu
Als Folge der angespannten Lage, insbesondere wegen der Befürchtung von Beeinträchtigungen der Durchfahrt durch die Straße von Hormus, sind die Notierungen für Rohöl kräftig angestiegen. Die Sorte Brent näherte sich der runden Marke von 100 US-Dollar je Barrel und wurde zuletzt bei etwa 99,49 USD gehandelt. US-Rohöl der Sorte WTI kletterte auf rund 94,63 USD.
Analysten von Goldman Sachs warnen davor, dass bei einer weiteren Zunahme der Kampfhandlungen Preise von bis zu 120 US-Dollar je Barrel möglich seien. Präsident Trump zeigte sich dagegen zuversichtlich und sagte voraus, ein amerikanischer Sieg im Konflikt werde die Ölpreise „rapide fallen" lassen und Benzinpreise von unter 2 US-Dollar pro Gallone ermöglichen. US-Börsen geben nach
Die Aktienmärkte in den USA reagierten mit deutlichen Abschlägen auf die Zuspitzung des Konflikts. Der Dow Jones büßte rund 628 Punkte beziehungsweise 1,18 Prozent auf 52.786,07 Zähler ein. Der S&P 500 verlor 0,58 Prozent, während der technologielastige Nasdaq um 0,32 Prozent nachgab. Besonders der Gesundheitssektor belastete den S&P 500, maßgeblich getrieben durch Kursverluste bei Amgen.
Auch die Börsen in Asien zeigten sich verhalten, wenngleich Aktien aus den Bereichen Chips und Künstliche Intelligenz in Indizes wie dem Nikkei oder KOSPI für vereinzelte Erholungen sorgten. Der Goldpreis legte leicht zu, während der Bitcoin bei rund 78.680 US-Dollar notierte.
Renditen am Rentenmarkt steigen
Am Anleihemarkt kletterten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,805 Prozent – den höchsten Wert seit fast drei Jahren. Papiere mit 30-jähriger Laufzeit bewegten sich nahe eines 19-Jahres-Hochs. Marktbeobachter wie Eric Marshall von Hodges Capital untersuchen nun, in welchem Ausmaß die künstlich verteuerten Ölpreise die Inflation zusätzlich anheizen.
Für Anleger aus Deutschland ist diese Entwicklung von großer Relevanz: Steigende Ölpreise machen Energieimporte teurer und belasten die bereits schwache Konjunktur im Euroraum. Höhere Inflationserwartungen könnten darüber hinaus Einfluss auf den geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank nehmen.
Ausblick: Spannung vor richtungsweisenden Daten
Die Marktteilnehmer blicken gespannt auf die bevorstehenden US-Verbraucherpreisdaten am Freitag sowie die Zinsentscheidungen der EZB und der Bank of Japan. Die hohe Schwankungsbreite an den Märkten dürfte vorerst anhalten. Falls sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzt, drohen zusätzliche Belastungen für die globalen Finanzmärkte – mit potenziell weitreichenden Folgen für Aktien, Anleihen und Rohstoffpreise gleichermaßen.



