US-Kongresswahlen: Citi prognostiziert Kursdruck bis zum Wahltag

Rund um die US-Zwischenwahlen am 3. November könnte an den amerikanischen Börsen nach Einschätzung der Großbank Citi ein erhöhtes politisches Risiko aufschlagen. Die Volkswirte des Instituts verweisen auf wiederkehrende historische Muster, die bis zum Abstimmungstermin für eine schwächere Wertentwicklung sprechen. Sobald die mit dem Urnengang verbundene Unsicherheit jedoch abklingt, habe es in der Vergangenheit meist eine Gegenbewegung nach oben gegeben.
Nach Berechnungen von Citi schnitten Jahre mit Zwischenwahlen im Vierjahresrhythmus der US-Präsidentschaftszyklen historisch am schlechtesten ab. Das Geldhaus rechnet damit, dass sich vor der Abstimmung ein wahlbedingter Risikoaufschlag an den Märkten aufbaut. Dieser Prozess setze typischerweise rund 50 Handelstage vor dem Urnengang ein und erreiche in den unmittelbar davorliegenden Wochen seinen Höhepunkt.
Entscheidend ist die Unsicherheit, nicht der Wahlausgang
Bemerkenswert erscheint der Bank zufolge vor allem, dass die größte Wirkung auf die Börsen weniger vom tatsächlichen Abstimmungsergebnis ausgeht als vielmehr von der damit verbundenen Unsicherheit. In der Vergangenheit haben Anleger vor Zwischenwahlen regelmäßig Aktien abgebaut, um das politische Risiko einzuplanen – bevor es nachlassender Ungewissheit zufolge bis zum Jahresende zu einer Erholungsbewegung kam. Citi unterstreicht, dass sich dieses Verhaltensmuster unabhängig vom konkreten Wahlausgang zeigte. Der Markt reagierte also nicht auf den Sieger, sondern auf das Ende der Ungewissheit.
Für deutsche Anleger, die in US-Titel oder breit aufgestellte Indizes wie den S&P 500 investiert sind, besitzt diese Erkenntnis unmittelbare Bedeutung. Die Wall Street gilt als maßgeblicher Taktgeber für die weltweiten Börsen, und politische Verwerfungen in Washington wirken sich häufig auch auf die europäischen Handelsplätze aus. Ein wahlbedingter Risikoaufschlag im Vorfeld des Urnengangs könnte daher ebenso die Stimmungslage in Frankfurt belasten.
Geteilte Machtverhältnisse könnten Anleihen stützen
Sollte sich eine gespaltene Regierungskonstellation ergeben, könnte dies die Märkte zusätzlich über die Erwartungen an die Fiskalpolitik beeinflussen. Citi wies darauf hin, dass geteilte Kongressverhältnisse in der Vergangenheit tendenziell günstig für Anleihen waren. Der Hintergrund: Politische Blockaden dämpfen die Aussichten auf umfangreiche fiskalische Konjunkturpakete oder weitreichende Gesetzesvorhaben. Dies wiederum wirkt sich potenziell auf das Gesamtumfeld für risikoreichere Anlageklassen aus.
Allerdings warnte das Institut davor, dass der gegenwärtige Zyklus zusätzliche Erschwernisse bereithalte. Dazu zähle etwa das hohe US-Fiskaldefizit. Hinzu kämen Verhandlungen über die Anhebung der Schuldenobergrenze, die für 2027 erwartet werden. Diese Rahmenbedingungen könnten einschränken, inwieweit sich historische Wahlmuster in diesem Jahr tatsächlich in Kursbewegungen widerspiegeln.
Historische Vergleiche mit Bedacht betrachten
Die Citi-Analyse reiht sich ein in die grundsätzliche Debatte darüber, in welchem Umfang sich wiederkehrende Wahlzyklen als Anlagestrategie nutzen lassen. Die Bank selbst relativiert ihre Beobachtungen, indem sie auf die veränderten fiskalischen Gegebenheiten verweist. Anleger sollten historische Muster daher keinesfalls als verlässlichen Indikator für künftige Kursentwicklungen interpretieren.
Im Kern rechnet Citi also mit einer schwächeren Aktienphase bis zur Abstimmung am 3. November und einer anschließenden Erholung, sobald die politische Unsicherheit nachlässt. Ob sich dieses Szenario auch diesmal bestätigt, hängt maßgeblich davon ab, in welchem Umfang das ausgeprägte US-Fiskaldefizit und die für 2027 erwarteten Verhandlungen über die Schuldenobergrenze die historischen Zusammenhänge überlagern. Für Marktbeobachter bleibt der Wahltermin damit ein zentraler Fixpunkt im Kalender – weniger wegen des Ergebnisses selbst, sondern wegen des bevorstehenden Endes der Ungewissheit.



