LIV Golf stellt Insolvenzantrag – Milliardengrab vor dem Aus

Die vom saudischen Kapital finanzierte Golfliga LIV hat am Dienstag beim Bundesgericht in Trenton, New Jersey, die Eröffnung eines Chapter-11-Verfahrens beantragt. Für die Organisation, die einst mit Milliardenhilfe des Public Investment Fund (PIF) aus Saudi-Arabien antrat, um die etablierte PGA Tour zu attackieren, ist dies ein düsterer Wendepunkt.
Laut den eingereichten Gerichtsunterlagen hat LIV seit dem Jahr 2021 insgesamt 5,5 Milliarden US-Dollar an Schulden und Eigenkapital aufgenommen. Am Ende verblieben dem Unternehmen lediglich 15 Millionen US-Dollar auf den Konten. Die Ursachen liegen auf der Hand: Die Spieler wurden massiv überbezahlt, während das Interesse des Publikums weit hinter den Erwartungen zurückblieb.
Der Sanierungsplan: LIV 2.0
LIV-CEO Scott O'Neil verfolgt seit Monaten das Konzept einer „LIV 2.0“. Diese soll mit 300 Millionen US-Dollar finanziert werden, die die Beteiligungsgesellschaft BC Partners bereitgestellt hat. Die immensen Verluste von LIV – beziehungsweise die damit verbundenen möglichen steuerlichen Vorteile – haben sich zu einem potenziell lukrativen Vermögenswert entwickelt.
Allerdings zeigte sich in der vergangenen Woche, wie fragil dieser Rettungsplan tatsächlich ist. Der Saudi Public Investment Fund gewährte zwar ein Insolvenzdarlehen in Höhe von 50 Millionen US-Dollar, um die Umstrukturierung zu ermöglichen. Doch „LIV 2.0“ muss bereits im kommenden Monat unter Dach und Fach sein. Andernfalls bleibt nur der Weg der Liquidation, um das Verfahren abzuschließen.
Top-Spieler fordern Millionenbeträge
Eine Aufstellung der ungesicherten Gläubiger offenbart, dass Stars wie Jon Rahm, Bryson DeChambeau und Cameron Smith aus ihren Spielerverträgen mindestens mehrere Millionen Dollar fordern. LIV beabsichtigt, diese Verträge im Zuge des Chapter-11-Verfahrens zu kündigen. Den Golfern wird als Vergleichsangebot eine Beteiligung an LIV 2.0 in Aussicht gestellt – unabhängig davon, ob sie in einem neuen Wettbewerb antreten möchten oder nicht.
Die Anwälte von LIV zeigten sich in ihrer Stellungnahme gegenüber Richter Michael Kaplan optimistisch, aber auch realistisch. „Die Resonanz der [Spieler] war begeistert“, erklärte Matthew Williams, ein Anwalt der Kanzlei Gibson Dunn, die die Liga vertritt. „Aber wir sind noch nicht so weit, und vielleicht schaffen wir es auch nicht“, räumte er ein.
Gerichtsdokumente belegen, dass Smith und DeChambeau bereits eigene Anwälte mandatiert haben. Ein offizieller Gläubigerausschuss könnte Starspieler einschließen, wie Richter Kaplan anmerkte. „Für die Bildung dieses Ausschusses könnte man Eintrittskarten verkaufen“, scherzte Kaplan während der Anhörung am Mittwoch. Ob LIV Golf selbst künftig Tickets verkaufen wird, bleibt ungewiss.
Hyrox auf Erfolgskurs
Während LIV Golf um sein Überleben kämpft, zeichnet sich im Fitnesssport ein Gewinner ab: Hyrox. Das Unternehmen wurde 2017 von den Deutschen Christian Toetzke und Moritz Fürste gegründet und erlebt seit der Pandemie einen steilen Aufstieg. Hyrox rechnet damit, dass in der Saison 2026/27 rund zwei Millionen Menschen an seinen Veranstaltungen teilnehmen – gegenüber lediglich 80.000 in der Saison 2022/23.
Es überrascht nicht, dass Investoren diese Chance ergriffen haben. In dieser Woche unterstützte L Catterton, ein auf Konsumgüter spezialisierter Private-Equity-Anbieter, an dem der Luxuskonzern LVMH beteiligt ist, einen von den Gründern angeführten Buyout. Die Transaktion bewertete Hyrox mit rund 600 Millionen Euro. Auch die Venture-Capital-Gesellschaft WNDR aus dem Silicon Valley, gegründet vom ehemaligen DreamWorks-Chef Jeffrey Katzenberg, war beteiligt.
Hyrox hat eine neue Sportart geschaffen, über die es faktisch ein Monopol besitzt. Bei einer Hyrox-Veranstaltung laufen die Teilnehmer einen Kilometer, absolvieren anschließend eine Gymnastikübung – etwa Rudern oder das Schieben eines Sleds – und wiederholen diesen Ablauf achtmal. Die Wettkämpfe finden in großen Messehallen statt, wobei an einem Hyrox-Wochenende Tausende mitmachen.
L Catterton bringt Erfahrung aus dem Fitnesssektor mit. Das Unternehmen war früher an Peloton beteiligt und hält weiterhin Anteile an Hydrow sowie an den Fitnessketten Solidcore und Equinox. Die Gründer von Hyrox nennen den Zugang als größte Wachstumsbarriere: Die Nachfrage übersteige das Angebot bei Weitem, sodass einige Hyrox-Events auf ein Losverfahren setzen müssen. Mit der finanziellen Schlagkraft des neuen Private-Equity-Partners könnte Hyrox nun die Mittel haben, um aufs Tempo zu drücken.



