September 2026: S&P 500 trotzt saisonalem Abwärtstrend dank technischer Signale

Der September genießt an den Börsen einen denkbar schlechten Ruf. Laut dem "Stock Trader's Almanac" gilt er seit 1950 als der schwächste Monat für den S&P 500. Ein noch längeres Zeitfenster untermauert diesen Befund: Seit 1928 weist der Index im September im Schnitt ein Minus von 1,1 Prozent aus. Statistisch betrachtet ist er der einzige Monat, in dem die Verluste die Gewinne übertreffen.
Als Ursache für diese saisonale Schwäche nennen Analysten häufig das Verhalten der institutionellen Anleger. Wenn Portfolio-Manager nach dem Labor Day – dem ersten Montag im September – an ihre Schreibtische zurückkehren, neigen sie dazu, ihre Depots umzuschichten und zu bereinigen. Im "Stock Trader's Almanac" wird dieser Vorgang als eine Art "Frühjahrsputz" beschrieben, der einen Abwärtsdruck auf die Kurse ausüben kann.
Doch das Jahr 2026 könnte eine Ausnahme darstellen. Eine Kombination aus starken technischen Indikatoren und solider Unternehmenslage veranlasst manche Analysten zu der Einschätzung, dass sich der September in diesem Jahr von der historischen Norm abheben könnte.
Konjunkturelle Risiken und geldpolitische Fragezeichen
Neben den saisonalen Effekten wird das aktuelle Marktgeschehen von mehreren drängenden Problemen geprägt. Aktuelle Daten belegen einen Anstieg der Anleiherenditen, und die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben die Volatilität der Ölpreise erhöht. Diese Faktoren haben die Sorge vor einer dauerhaften Teuerung neu belebt und die Spekulationen über den künftigen Kurs der US-Notenbank Federal Reserve angefacht.
Die Marktteilnehmer rechnen inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 70 Prozent für eine Zinserhöhung der Fed beim nächsten Sitzungstermin. Diese Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik, gepaart mit einem August-Plus von 2,6 Prozent im S&P 500, ergibt ein anspruchsvolles Umfeld. CFRA Research weist darauf hin, dass der Index nach einem positiven August in der Vergangenheit seltener Gewinne im September verbuchte – besonders in den Jahren der Midterm-Wahlen.
Technische Daten geben Anlass zur Hoffnung
Trotz der negativen Historie und der gegenwärtigen Risiken bleiben einige Marktexperten verhalten optimistisch. Ein wesentlicher Grund dafür ist die anhaltende Stärke der Unternehmensgewinne sowie die kräftige Nachfrage im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Analysten der UBS verweisen auf diese fundamentalen Faktoren als tragende Säulen, die die Aktienkurse stützen könnten. Ihrer Einschätzung nach hat die jüngste Volatilität im Technologiesektor für Anleger attraktive Einstiegsmöglichkeiten bei Chip-Herstellern und KI-bezogenen Werten eröffnet.
Darüber hinaus liefern die technischen Indikatoren einen Lichtblick für all jene, die gegen den "September-Effekt" setzen. LPL Financial hat ermittelt, dass der S&P 500 in 60 Prozent der Fälle positive Renditen erzielte, wenn er den Monat oberhalb seines 200-Tage-Durchschnitts begann. Ende August notierte der S&P 500 bei 7.686 Punkten – rund 7,9 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 7.126 Zählern. Diese technische Position deutet darauf hin, dass der Markt über genügend Schwung verfügen könnte, um der üblichen saisonalen Schwäche zu widerstehen.
Ein Jubiläum für langfristig orientierte Anleger
Während der Markt mit kurzfristigen Ausschlägen kämpft, feiert die Finanzbranche einen langfristigen Erfolg. David Booth, Vorsitzender von Dimensional Fund Advisors, hat einen Meilenstein erklommen: Seine Gesellschaft verwaltet nun Vermögenswerte von über einer Billion US-Dollar. Gegründet wurde das Unternehmen vor 45 Jahren in einer Wohnung im New Yorker Stadtteil Brooklyn Heights. Das Wachstum der Firma spiegelt die Entwicklung des modernen Investmentmanagements wider.
Booth, der kurz vor seinem 80. Geburtstag steht, nutzt diesen Meilenstein, um seine Anlagephilosophie in einem neuen Buch zu teilen. Es trägt den Titel "Stay Calm: Learn to Embrace Uncertainty in Investing and Life" (erschienen bei Authors Equity). Booth's Sichtweise wirkt als Gegenmittel zur alltäglichen Furcht vor Kursschwankungen. Indem er die Bedeutung hervorhebt, Unsicherheit zu akzeptieren, ermutigt sein Werk die Anleger, eine langfristige Perspektive beizubehalten – unabhängig davon, ob der Kalender einen historisch gesehen "schlechten" Monat wie September oder eine Phase des Marktwachstums anzeigt.
Fazit: Ein vielschichtiges Umfeld für Anleger
Privatanleger bewegen sich derzeit in einem komplexen Umfeld, in dem historische saisonale Trends auf starke technische Unterstützung und fundamentales KI-getriebenes Wachstum treffen. Der "September-Effekt" bleibt eine statistische Tatsache, die man nicht ignorieren sollte. Doch die aktuelle Position des Marktes oberhalb seines 200-Tage-Durchschnitts bietet einen möglichen Puffer gegen den typischen Verkaufstrend nach dem Labor Day. Angesichts des nächsten Schritts der Federal Reserve befindet sich der Markt in einer Übergangsphase, die die Risiken von Inflation und Zinserhöhungen gegen die Widerstandsfähigkeit der Unternehmensgewinne und die bewährte Weisheit langfristiger Anlagestrategien abwägt.



