Uber baut jeden zehnten Job ab und setzt Milliarden auf Roboter-Taxis

Uber Technologies leitet eine umfassende Neuorganisation ein. Wie Konzernchef Dara Khosrowshahi in einer internen Nachricht mitteilte, sollen rund 3.300 Beschäftigte gehen – das entspricht etwa einem Zehntel der globalen Belegschaft. Mit diesem Schritt will der Fahrdienstvermittler seine Prozesse effizienter gestalten, Hierarchien reduzieren und finanzielle Mittel verstärkt in das Hauptgeschäft sowie in die ehrgeizigen Projekte rund ums autonome Fahren lenken.
Gründe für den Umbau
In seinem Schreiben an die Mitarbeiter führte Khosrowshahi aus, dass das rasante Wachstum der letzten Jahre zu einer hohen operativen Komplexität geführt habe. Die momentane Aufstellung mit zersplitterten Verantwortlichkeiten und zahlreichen Führungsebenen entspreche nicht mehr den Anforderungen eines Unternehmens dieser Größe. Mit einer gestrafften Organisation wolle Uber „einfacher und schneller“ werden, um nachhaltig in zukunftsträchtige Bereiche investieren zu können.
Neben dem Stellenabbau verschärft Uber auch seine Arbeitsrichtlinien deutlich. Die Möglichkeiten für Homeoffice werden stark eingeschränkt. Angestrebt wird, den Anteil der Mitarbeiter, die ausschließlich remote arbeiten, auf etwa ein Prozent der gesamten Belegschaft zu senken. Zudem wird die Einhaltung des Hybridmodells strenger kontrolliert, wonach die Beschäftigten mindestens drei Tage pro Woche in den Büros erscheinen müssen.
Milliardenschwerer Vorstoß bei autonomen Fahrzeugen
Im Zentrum der strategischen Neuausrichtung steht ein gewaltiges finanzielles Engagement im Bereich des autonomen Fahrens. Uber hat angekündigt, über zehn Milliarden US-Dollar in sein Robotaxi-Netzwerk zu investieren. Mit dieser Neuausrichtung will sich der Konzern als einer der führenden Anbieter etablieren und mit Branchengrößen wie Alphabets Waymo oder Elon Musks Tesla messen.
Die Einführung von Robotaxi-Diensten treibt Uber mit hohem Tempo voran. Bereits im laufenden Jahr sollen die selbstfahrenden Fahrzeuge in mindestens 15 Städten an den Start gehen. Dabei setzt das Unternehmen auf seine finanzielle Schlagkraft und seinen riesigen Kundenstamm von über 200 Millionen Nutzern. Ein aktuelles Beispiel ist die Kooperation mit dem in London ansässigen Unternehmen Wayve, das von Transport for London die Erlaubnis erhalten hat, kommerzielle Robotaxi-Angebote mit einem begleitenden Fahrer zu testen.
Wettbewerbssituation und Marktdynamik
Der Umbau findet in einem Umfeld intensiver Konkurrenz und finanzieller Anspannung statt. Vor der Ankündigung hatte die Uber-Aktie im bisherigen Jahresverlauf rund neun Prozent eingebüßt, ausgelöst durch Bedenken hinsichtlich der Wachstumsperspektiven und der aggressiven Expansion rivalisierender Robotaxi-Anbieter. Nach der Bekanntgabe des Stellenabbaus und der klaren strategischen Neuausrichtung zeigte sich der Markt jedoch zuversichtlich: Das Papier legte im New Yorker Handel um 1,4 Prozent zu.
Auch im Geschäft mit Essenslieferungen gerät Uber zunehmend unter Druck. Laut Daten von YipitData liegt Uber Eats in den USA deutlich hinter dem Wettbewerber DoorDash zurück, der auf einen Marktanteil von 64 Prozent kommt, während Uber lediglich 31 Prozent erreicht. In Großbritannien, Frankreich und Deutschland konnte der Konzern dagegen Marktanteile ausbauen. Um die Lieferkapazitäten weiter zu erhöhen, bereitet Uber zudem die Eingliederung des Berliner Lieferdienstes Delivery Hero vor – nachdem im Juli eine Übernahmevereinbarung über 13 Milliarden Euro unterzeichnet worden war.
Fazit
Uber durchläuft einen fundamentalen Wandel. Der Abbau von 3.300 Stellen und die milliardenschweren Investitionen in autonome Fahrzeuge verdeutlichen, dass der Konzern seine Struktur radikal verschlanken und sich gleichzeitig zukunftsfähig aufstellen will. Ob sich die Wette auf das Robotaxi-Geschäft auszahlt, wird wesentlich davon abhängen, ob Uber im Wettstreit mit Waymo und Tesla bestehen kann und ob die Technologie die hohen Erwartungen erfüllt.



